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Nicht nur der Kopf kommt in die Schule

Bewegung und Lernen – ein Thema für alle Lehrkräfte


Foto: Frank Schuppelius


Für viele Lehrkräfte aller Schulformen und Schulfächer gehört Bewegung in den Sportunterricht, höchstens noch in die Pausen, aber im „richtigen“ Unterricht ist Bewegung beim Lernen störend. Diese Lehrkräfte hängen dem alten Vorurteil nach, dass Schüler nur dann richtig lernen können, wenn sie stillsitzen und nur der Kopf arbeitet. Diese Lehrkräfte vergessen, dass nicht nur der Kopf in die Schule kommt, sondern immer der ganze Schüler.

Wie können Eltern und Lehrkräfte zu einem gesunden Frühstück motivieren?

Früher hatten die Schüler im außerschulischen Bereich genügend Bewegungsgelegenheiten und Bewegungsräume. Heute ist das anders. „Veränderte Kindheit und Jugend“ mit dem Verlust von Primärerfahrungen ist ein seit Jahren bekanntes Phänomen. Schule muss auf diese veränderten Bedingungen reagieren, um dem Bildungs- und Erziehungsauftrag gerecht zu werden. Der Erziehungswissenschaftler Peter Struck kommt deshalb zu folgendem Ergebnis: „Der Ansatz der "bewegten Schule" ist der Versuch, Kinder über nachgereichte und das Lernen stets begleitende Bewegungserfahrungen überhaupt erst in die Lage zu versetzen, dem Unterricht folgen zu können.“ 1
Aufmerksamkeit und Konzentration sind wichtige Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen; Passivität wie beim Stillsitzen verursacht auf Dauer eine Reduzierung von Aufmerksamkeit und Konzentration und führt letzten Endes zur Ermüdung.
Bewegung dagegen kann zu einer Steigerung von Aufmerksamkeit und Konzentration führen.

„Bewegende“ Umsetzungsmöglichkeiten für Lehrkräfte in allen Fächern im Unterricht

Lehrkräfte sollten bei ihren Unterrichtsplanungen Bewegung als Element des Unterrichts einplanen, denn Bewegung und Ruhe können dem Unterricht einen Rhythmus geben. Es gibt für jeden Lehrer vier Möglichkeiten, Bewegung im Handlungsfeld Unterricht gezielt einzusetzen 2:

  • Themenbezogenes Bewegen
  • Methodenbezogenes Bewegen
  • Bewegungspausen im Unterricht
  • Entspannung im Unterricht.

Themenbezogenes Bewegen

Hier gilt es im Vorfeld zu überlegen, ob neben der kognitiven Erschließung eines Inhalts auch Bewegung unterstützend und lernförderlich sein kann. Die konkrete Frage bei der Unterrichtsvorbereitung lautet dazu: Gibt es Bewegungsanlässe, die sich aus dem Unterrichtsthema ergeben?
Im Fach Deutsch kann zum Beispiel die Umstellprobe mit Satzgliedern durch Schüler in Bewegung dargestellt werden oder in Mathematik wird das Zweiersystem über eine Bewegungsübung mit Aufstehen und Hinsetzen eingeführt. So lassen sich Themen konkret „be-handeln“, und Sachverhalte können für Schüler „be-greifbar“ werden. Eine Fülle von Anregungen zum themenbezogenen Bewegen für alle Klassen von 1–13 in verschiedenen Fächern findet sich in dem Buch von Bolay, Platz und Wolf 3.

Methodenbezogenes Bewegen

Nicht immer ergeben sich im Unterricht themenbezogene Bewegungsgelegenheiten. Je abstrakter ein Thema, desto weniger ergeben sich solche Gelegenheiten. In diesen Fällen ist zu überlegen, wie durch methodisches Vorgehen die klassische Sitzordnung aufgelöst und Bewegung zur Unterstützung des Lernprozesses genutzt werden kann. Dazu eignen sich zum Beispiel Formen der Gruppenarbeit, Unterrichtsgänge oder Rollenspiele.
„Mensch, heute haben wir im Deutschunterricht eine Karusselldiskussion gemacht. Wir standen uns in einem Innen- und Außenkreis gegenüber und jeder hat drei Minuten mit seinem gegenüber diskutiert. Dann rückten wir einen Platz weiter. Jeder hat was gesagt und keiner konnte sich drücken. Es ging richtig rund. Das war cool! Sollten wir öfter machen.“ Schüleraussage nach dem Unterricht 4.

Bewegungspausen im Unterricht

Bewegungspausen im Unterricht haben nichts mit dem Thema der Stunde zu tun. Es handelt sich hier um kurze Bewegungsunterbrechungen ohne großen Material- und Organisationsaufwand, die „den Unterricht auflockern, nachlassende Konzentration wieder aufbauen und Unterricht rhythmisieren“ 5.
Bewegungspausen können bewusst und geplant eingesetzt werden, aber auch spontan, wenn die Lerngruppe zum Beispiel sehr unruhig ist. Eine Fülle von Anregungen findet sich in der Handreichung „Mehr Bewegung in die Schule“. Die Beispiele sind in drei Gruppen mit den Aktivitätsgraden hoch, mäßig und ruhig gegliedert. Außerdem finden sich hier Hinweise über den Bewegungsraum, die Sozialformen und benötigte Materialien. Bei der Durchführung von Bewegungspausen sollte beachtet werden:

  • Für klare Strukturen sorgen (deutlicher Anfang, deutliches Ende)
  • Eventuell akustische Signale verwenden (Klangstab o. ä.)
  • Funktion der Bewegungspause den Schülern klar machen
  • Eventuell Bewegungspausenbeispiele in der Klasse aushängen
  • Engagiert und überzeugt mitmachen! (Lehrkraft als Modell)
  • Eventuell Schüler als Bewegungspausenexperten „ausbilden lassen“ und diese die Bewegungspausen durchführen lassen.

• Geringe Intensität: „Buchstaben schreiben“
Die Aufgabe besteht darin, dass jeweils ein Schüler seinem Partner einen beliebigen Buchstaben mit dem Finger auf den Rücken schreibt, den der andere erkennen soll. Wahlweise können auch Ziffern oder kurze Wörter geschrieben werden.

• Mittlere Intensität: „Zappelphilipp“
Die Schüler stehen auf. Auf das Signal „Zappel!“ zappeln alle wild mit dem Körper. Beim Ruf „Philipp“ müssen alle in der Position, in der sie sich gerade befinden, verharren und einfrieren.

Dieses Spiel sollte mehrmals wiederholt werden.
• Hohe Intensität: „Zehnkampf“ (im Stehen)
Lehrkraft macht die Bewegung der angesagten Sportart vor, die Schüler machen nach: Boxen, Sprinten, Seilspringen, Kugelstoßen, Golf, Aerobic ...
Am Ende eine ruhige Bewegung, wie Schach spielen oder eine Sportart in Zeitlupe.

Entspannung im Unterricht

Langes konzentriertes Sitzen im Unterricht, auch längere Phasen des bewegten Unterrichts, das Toben in der Pause, eine anstrengende Klassenarbeit – danach können Ruhe und Entspannung für Schüler sehr wohltuend sein. Anfänglich können die Entspannungsübungen für die Schüler etwas Befremdliches haben, da sie es oft nicht gelernt haben, sich mit Ruhe und Stille auseinander zu setzen, aber im Laufe der Zeit lernen die meisten, diese Phasen zu genießen. Die Fähigkeit, sich zu entspannen, wenn die Entspannungsvarianten regelmäßig eingesetzt werden, „Kontinuität und Vertrautheit mit dem ausgewählten Verfahren sind wichtiger als ein ständig wechselndes vielfältiges Angebot.“ 6 Zudem kann sich auch Entspannung lernförderlich auswirken.
Bei der Durchführung von Entspannungsübungen gelten dieselben Tipps wie für Bewegungspausen.

Schlussbemerkungen

Jede Lehrkraft kann in ihrem Unterricht Bewegungselemente einbauen, um den Lernspaß und den Lernerfolg der Schüler zu optimieren. Aber bewegter Unterricht macht mehr Spaß und wird effektiver, wenn das gesamte Kollegium einer Schule „Bewegung und Lernen“ zur gemeinsamen Aufgabe macht.

ANMERKUNGEN
1 Struck, P. : Die Kunst der Erziehung. Darmstadt 1996
3 Bolay, E./Platz, E./Wolf, H.: Bewegte Schule – Bewegtes Lernen, Bände 2 und 3, Klett Verlag, Leipzig 2002
2,4,5,6 Kottmann, L./Küpper, D./Pack, R.-P.: Bewegungsfreudige Schule, Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2005


  Hans Feuß
Autor:
Hans Feuß ist Lehrer an der Grundschule Künsebeck sowie Berater im Schulsport im Landkreis Gütersloh.

Internetadressen
http://www.mehr-bewegung-indie-schule.de
http://www.schulsport-nrw.de
(unter „Themen“ „Lernen und Bewegung“ auswählen)
www.ohg.goe.ni.schule.de/ohg/0201projekte/
0411bew_schule/bew.schule.htm

(eine gute Adresse für Beispiele zu Bewegungspausen)

 

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